Ein Auszug aus unserer Historie

In den 1930er-Jahren lief der Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier auf Hochtouren. Die Gruben benötigten gut ausgebildete, zuverlässige Arbeitskräfte – sogenannte „Stammarbeiter“. Um diese Fachkräfte langfristig an die regionalen Reviere zu binden, förderte der Staat den Bau von werkseigenem und genossenschaftlichem Wohnraum im Grünen.

Im Jahr 1934 wurde der Grundstein für die Siedlung im Stadtteil Eckersbach gelegt. Das Ziel war klar definiert: Bezahlbarer Wohnraum für Bergarbeiterfamilien, kombiniert mit Grundstücken zur teilweisen Selbstversorgung.

Bauform und Richtlinien: Die Reichskleinsiedlung

Die Architektur der Vogelsiedlung folgte den strengen Vorgaben des damaligen Kleinsiedlungsbaus („Reichskleinsiedlung“):

•        Standardisierte Haustypen: Errichtet wurden überwiegend schlichte, eineinhalbgeschossige Doppel- und Einzelhäuser mit steilen Satteldächern. Das Dachgeschoss bot Erweiterungsmöglichkeiten für kinderreiche Familien.

•        Eigenleistung („Muskelhypothek“): Die angehenden Siedler mussten beim Aushub, Mauern und Rohbau hunderte Stunden Gemeinschaftsarbeit leisten. Erst nach Fertigstellung wurden die einzelnen Häuser unter den Erbauern verlost oder zugeteilt.

•        Nutzgärten und Kleintierhaltung: Zu jedem Haus gehörten großzügige Grundstücksparzellen (oft zwischen 600 und 1.000 m²). Hinter den Häusern standen kleine Anbauten für Ziegen, Hühner oder Kaninchen; die Gärten dienten dem Anbau von Kartoffeln und Gemüse.

Namensgebung und Gemeinschaftsleben

Um dem neu entstehenden Quartier Identität zu verleihen, erhielten die neu angelegten Straßen durchweg Namen heimischer Vogelarten. Straßennamen wie Amselweg, Finkenweg, Starweg oder Drosselweg prägten schnell den Volksmund – der Begriff „Vogelsiedlung“ war geboren.

Für den Zusammenhalt und die Organisation des Siedlungslebens gründeten die Bewohner 1938 die Siedlervereinigung „Glück Auf“ Zwickau-Eckersbach e. V. Der Name erinnerte stolz an den bergmännischen Ursprung der Gemeinschaft.

DDR-Zeit, Umbruch und Gegenwart

Während in den 1970er- und 1980er-Jahren direkt angrenzend das große Plattenbaugebiet Eckersbach (E1 bis E5) entstand, bewahrte die Vogelsiedlung ihren eigenständigen, dörflich-grünen Charakter.

Nach der Wende von 1989/90 wurden viele der historischen Siedlungshäuser saniert, modernisiert und erweitert. Trotz des baulichen Wandels ist die Struktur aus den 1930ern bis heute deutlich erkennbar. Der Siedlerverein pflegt das nachbarschaftliche Miteinander – mit Festen, eigener Vereinszeitung (Vogelsiedlungsblick) und Projekten wie dem lokalen Bücherhaus – weiterhin aktiv.

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